Paul Gerhardt - unser Namenspatron

Namens-Patron unserer Gemeinde ist der evangelische Pfarrer und Dichter Paul Gerhardt (1607-1676). Ihm verdanken wir einige der schönsten und bewegendsten Lieder, die im evangelischen Gesangbuch stehen. In schwerer Zeit - während des 30jährigen Krieges, in Zeiten von Pest und wirtschaftlicher Unsicherheit - versuchte er, den Mut nicht zu verlieren, und hat trotz allem Leid, das er im Laufe seines Lebens erfuhr, immer wieder einen Weg gefunden, Gott zu vertrauen und ihn zu loben.

    "Am 12. März 1607 wird Paul Gerhardt, der populärste Dichter im Evangelischen Gesangbuch, in Gräfenheinichen geboren, erhält seine Schulausbildung in der Fürstenschule in Grimma, wo Katechismus und lutherische Dogmatik den Schulalltag prägen, aus den 15 Jahren Theologiestudium in Wittenberg wissen wir wenig. Der Dichter steht von Anfang an fertig da als Meister der deutschen Sprache. 1643 ist Gerhardt Hauslehrer in Berlin. Seine 137 Lieder entstehen nach und nach, doch für die Veröffentlichung tut er nichts. Das besorgt Johann Crüger, Kantor der Berliner Nicolaikirche, in dessen Gesangbuch „Praxis pietatis melica” („musikalische Übung der Frömmigkeit”) von 1647 18 Gerhardt-Lieder stehen. 1651 tritt Gerhardt die erste eigene Pfarrstelle in Mittenwalde an, heiratet Anna Maria Berthold, die er seit seiner Hauslehrerzeit kennt. Von den fünf Kindern sterben vier ganz jung. 1658 wird Gerhardt dritter Pfarrer an St. Nicolai in Berlin, nun Wand an Wand mit Crüger, die 10. Auflage der „Praxis pietatis melica” 1661 enthält 90 Gerhardt-Lieder! Nach dem Tod Crügers 1662 setzt sein Nachfolger Johann Georg Ebeling die Zusammenarbeit mit Gerhardt fort. 1666/67 veröffentlicht er eine Gesamtausgabe mit 120 Gerhardtliedern. Man könnte mit Gerhardtliedern fast ein ganzes Gesangbuch zusammenstellen, Lieder zu Tageslauf, Kirchenjahr und Lebensbogen. Die poetischen Regeln der „Deutschen Poeterey” des Martin Opitz von 1624 laufen mit selbstverständlicher Leichtigkeit. 56 verschiedene Strophenformen finden wir bei Gerhardt. In seinen Liedern bleiben theologische Substanz, poetische Kunstfertigkeit und Volkstümlichkeit beieinander. Crüger ist ihm darin mit seinen Melodien kongenial. Fest verankert in der lutherischen Theologie seiner Zeit formuliert Gerhardt Dogmatik im Sprachgewand persönlicher Erfahrung des Glaubens. Seine Trostlieder sind Dokumente durchgearbeiteter Trauerprozesse. Im Konflikt mit dem Großen Kurfürsten, bei dem es um Toleranz zwischen Lutheranern und der reformierten Minderheit in Preußen geht, verweigert Gerhardt die Unterschrift unter die Verpflichtung auf Toleranz gegenüber den Reformierten. Er wird entlassen und bewirbt sich auf die 1. Pfarrstelle in Lübben im Spreewald. Zu allem Unglück stirbt seine Frau 1668 an Tuberkulose, von den fünf Kindern ist zu dieser Zeit nur noch der sechsjährige Paul Friedrich am Leben. 1669 zieht Gerhardt um nach Lübben, der Dichter ist stumm geworden. 1676 stirbt er und wird in der Lübbener Kirche beigesetzt."

    Autor: Prof. Bernhard Leube
    Quelle: www.elk-wue.de  -  Ev. Landeskirche Württemberg